Wissen, wo Platz in Hamburg ist

Das ZKF machte sich auf die schwierige Suche nach Wohnraum für Geflüchtete in Hamburg. Foto: Pedro Nuno Caetano (CC BY 2.0).

Der „Zentrale Koordinierungsstab Flüchtlinge“, kurz ZKF hat eine Aufgabe: Er sorgt dafür, dass Geflüchtete ein Dach über den Kopf bekommen. Zwei Jahre nach der Entstehung blickt der Stab auf eine Erfolgsbilanz.

Im Sommer 2015 standen die Behörden in Hamburg vor der gewaltigen Herausforderung Tausende geflüchtete Menschen zu registrieren, zu versorgen und irgendwo unterzubringen. Aufgaben, für die viele unterschiedliche Menschen verantwortlich waren. Die Telefonleitungen brannten, die Beamten und ehrenamtlichen Helfer eilten von Geflüchteten zu Geflüchteten von Termin zu Termin von Dokument zu Dokument. Schnell wurde klar, dass es einen zentralen Koordinierungsstab brauchte. Eine Gruppe von Personen, die den Überblick behalten würde, die die Arbeit zwischen den unterschiedlichen Behörden und den Ehrenamtlichen koordinieren könnte. Der Spätsommer ging langsam in Herbst und Winter über, die Tage wurden kürzer, dunkler und kälter und die Aufgabe des neu-eingerichteten zentralen Koordinierungsstabs wurde immer wichtiger: den geflüchteten, Hilfe suchenden Menschen möglichst schnell eine Unterbringung zu besorgen und sie vor der Obdachlosigkeit im deutschen Winter zu bewahren.

„Aus den Erfahrungen, die die Stadt Hamburg seit 2015 gemacht hat, haben wir gelernt, dass es essenziell ist, eine zentrale Stelle in der Stadt zu haben, die sich mit dem Thema auskennt und weiß, welche Beteiligten wie zu vernetzen sind, um auftretende Probleme zu lösen“, sagt Christiane Kuhrt vom ZKF. „In den vergangenen knapp zwei Jahren ist es gelungen, allen Geflüchteten, die in Hamburg angekommen sind, eine Unterkunft zu bieten. Es gab keine Obdachlosigkeit. Gleichzeitig wurde die Bevölkerung so wenig wie möglich belastet, so wurden in Hamburg beispielsweise zu keinem Zeitpunkt Schulturnhallen oder Ähnliches belegt.“

Mittlerweile ist die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge deutlich gesunken. Im Juli 2017 kamen 694 Menschen nach Hamburg, 261 von ihnen wurden bundesweit auf andere Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt, 433 der Schutzsuchenden blieben in Hamburg. Noch arbeiten 70 Personen beim ZKF, doch aufgrund des Rückgangs bei den Flüchtlingszahlen soll die Zahl der Mitarbeiter bis Ende 2018 auf 48 Personen sinken. Ganz aufgelöst wird der ZKF aber nicht. Stattdessen soll die neu gewonnene Expertise des Stabs zur Lösung anderer Aufgaben – neben der Unterbringung von Flüchtlingen – genutzt werden. „Durch die Suche nach Flächen für Flüchtlingsunterkünfte kennen die Kollegen gefühlt jeden freien Winkel in der Stadt. Wir haben eine große Datenbank, die wir gerne zur Verfügung stellen“, sagte ZKF-Leiter Anselm Sprandel in einem Interview mit der WELT. Eine Möglichkeit wäre es beispielsweise mit den Daten des ZKFs, Menschen, die spezielle Probleme haben, eine Wohnung zu finden, unter die Arme zu greifen. Menschen, wie ehemalige Häftlinge, Jugendliche ohne Familie und Angehörige oder Obdachlose.

Hand in Hand mit der großen Anzahl an Flüchtlingen, die ab dem Sommer 2015 nach Deutschland kamen, wuchs auch die Euphorie vieler Bürger, diesen Menschen zu helfen. Hunderte empfingen die Flüchtlinge an den Bahnhöfen, brachten Lebensmittel und Kleidung, halfen bei Behördengängen und Asylanträgen, lehrten die ersten Worte deutsch, organisierten Fahrräder oder betreuten allerei Beschäftigungsangebote. „Die Euphorie ist hier in Hamburg einem nachhaltigen Engagement gewichen, das bis heute anhält“, sagt Kuhrt. „Die Stadt weiß um die Unentbehrlichkeit dieses ehrenamtlichen Engagements und hat daher auch auf vielen Ebenen Netzwerke geschaffen und Förderungen ermöglicht (z. B. über den Integrationsfonds), um dieses Engagement zu erhalten.“ Mittlerweile käme es sogar immer öfter vor, dass Nachbarn von Flüchtlingsunterkünften traurig seien, wenn diese geschlossen würden. „Die Menschen sind ihnen durch die vielfältigen Kontakte zum Teil wirklich ans Herz gewachsen“, berichtet Kuhrt.

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