Vorträge von jungen Geflüchteten an Schulen

Life back Home

Worum geht es dabei?

Das Projekt Life back Home verbindet entwicklungspolitische und antirassistische Bildungsarbeit in Schulen mit den Themen Flucht und Migration. Hierfür bildet es junge Geflüchtete in Deutschland zu BildungsreferentInnen aus, die anschließend Schulen in Deutschland besuchen. Ziel des Projektes ist es, die Themen Flucht und Migration durch den direkten Dialog mit jungen Geflüchteten in einem entwicklungspolitischen Kontext greifbar zu machen.

Was bedeutet es, aus einem Land zu fliehen, in dem Krieg, Hunger und Unsicherheit den Alltag bestimmen? Wie fühlt es sich an, in einer Gesellschaft anzukommen, in der es andere Wertvorstellungen und Lebensbedingungen gibt? Wie geht man damit um, wenn man in Deutschland angekommen ist, der Krieg zu Hause jedoch weitergeht? In Kurzvorträgen berichten die ReferentInnen über die Situation in ihrem Heimatland sowie ihre Flucht. Die Vorträge werden anschließend in einer geleiteten Gruppendiskussion vertieft.

Für wen ist das Projekt – wer sind die Adressaten?

Life back Home ist ein Projekt für Grundschulen, weiterführende Schulen und weitere Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland. Mit dem Projekt wurden bis heute schon über 1000 SchülerInnen erreicht und tolle Veranstaltungen gemeinsam mit den Bildungseinrichtungen organisiert. Sie waren nicht nur zu Gast in Schulklassen sondern auch in Bibliotheken, auf Konferenzen, bei den Bundesfreiwilligen oder auch bei Hilfsorganisationen. So erreicht das Projekt junge Menschen in Deutschland in ganz unterschiedlichen Kontexten.

Was sind die Inhalte und Vorteile?

Miteinander lernen und nicht nur übereinander ist das Ziel des Projektes. Ziel ist zudem auch eine Unterstützung zu bieten für gelebte Integration, interkulturellen Austausch, den Abbau von Vorurteilen und gegen Fremdenfeindlichkeit. Die Referenten erzählen ihre ganz persönliche Geschichte und die Zuhörer haben nicht nur die Möglichkeit Informationen aus erster Hand zu erhalten, einen Einblick in eine fremde Kultur zu bekommen sondern auch auf Augenhöhe mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen. Eine Schülerin aus Bremen schreibt nach dem Workshop: „Vor Beginn der Stunde wissen wir alle nur grob, was uns erwartet. Zwei syrische Flüchtlinge werden in den Unterricht kommen und von sich und ihrem Leben erzählen, hat man uns gesagt. Und tatsächlich, als ich gegen Ende der Pause den Klassenraum betrete, sind neben unserem Lehrer Herrn Thorweger drei Frauen anwesend, zwei davon kaum älter als wir. Und der Begriff „Flüchtlinge“ zerplatzt mit all den damit verbundenen Klischees augenblicklich vor unserer Nase wie eine Seifenblase. Natürlich wissen wir schon vorher, dass diese Klischees selten der Wahrheit entsprechen, aber nun steht der lebendige Beweis vor uns, in Form von zwei jungen modernen Frauen, die uns sympathisch anlächeln.“

Wo soll es hinführen?

Mit dem Projekt soll möglichst vielen SchülerInnen in Deutschland und jungen Geflüchtete ein direkter Kontakt ermöglicht und der Dialog geöffnet werden, um sich kennenzulernen.

Wer steckt dahinter?

Ins Leben gerufen und organisiert wird Life back Home von „The Global Experience e.V.“, einer gemeinnützigen Organisation und internationalen Jugendmediennetzwerk mit Sitz in Münster und Berlin. Zu den Schwerpunkten der Vereinsarbeit zählen die Durchführung von internationalen Jugendcamps, interkulturellen und inklusiven Schüleraustauschen, internationalen Praktikaprogrammen sowie Projektreihen zur entwicklungspolitischen und medienpädagogischen Bildungsarbeit in Schulen.

Die Geschäftsführerin Carina Schmid hat das Projekt ins Leben gerufen. Die Koordination hat Nina Taubenreuther in Hamburg übernommen. Nina hat viele Jahre in der Digitalwirtschaft gearbeitet und konzentriert sich seit Anfang 2016 auf die Arbeit mit Geflüchteten. Für Life back home betreibt sie das Projektmanagement, koordiniert die Termine und inhaltliche Gestaltung mit den Lehrkräften und coacht die Referenten.

Das Projekt in einem Satz zusammengefasst:

Junge Geflüchtete werden zu Bildungsreferenten ausgebildet und erzählen in Schulen und anderen Bidlungseinrichtungen über ihr Leben in der Heimat, ihre Flucht und ihren Alltag heute in Deutschland.

Auch wir haben Life back Home eingeladen

Am 03. April 2017 hat die SPD Hamburg das Projekt Life back Home zu sich ins Kurt-Schumacher-Haus in Hamburg eingeladen. Als Referenten waren Abdul und Dima dabei, die von ihrem Leben in Syrien und dem Weg gesprochen haben, der sie letztlich nach Deutschland geführt hat. Besonders zum Nachdenken angestoßen haben dabei Aussagen wie: „Ich mag das Wort Integration nicht. In meiner WG in Berlin habe ich erlebt, dass, wenn ich mir Mühe gebe und ein Stück auf den anderen zugehe, und mein Gegenüber das gleiche tut, man sich in der Mitte treffen kann. Das ist aber keine Integration, sondern ein gegenseitiges sich aufeinanderzubewegen.“

Es waren um die 40 Besucher gekommen, um sich die Geschichten anzuhören, sich mit den ernsten Aspekten der Flucht- und Ankunftsgeschichten auseinanderzusetzen, aber auch um gemeinsam zu lachen. Letzteres zum Beispiel, wenn über sprachliche Missverständinisse erzählt wurde. So verstand Abdul das deutsche „Na?“, was wir oft zur Begrüßung verwenden, wie das englische „nah“, was Ablehnung ausdrückt. Mit viel Humor erzählte er davon, wie er anfangs immer wieder den Raum verließ, wenn er mit „Na?“ begrüßt wurde, da es im arabischen Sprachgebrauch kein Äquivalent gibt und er verwundert war, über die, wie er dachte, ablehnende Haltung, die auf sein fröhliches „Hallo“ folgte. Die Vorträge wurden mit langem Applaus honoriert und im Anschluss stellten Abdul und Dima sich noch den Fragen des Publikums. Es war ein gelungener und lehrreicher Abend!

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