„DMF ist ein politisches Projekt!“

Wie und warum die HMS geflüchteten Medienschaffenden ein Sprungbrett in die deutsche Medienlandschaft bereitet

Von Tina Fritsche, Koordinatorin DMF

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Foto: Inken Jaacks

„Es genügt, wenn man eine Kamera dabei hat, um verhaftet oder getötet zu werden.“ Roshak Ahmad entging in Syrien mit viel Glück Anschlägen und Verhaftung; sie konnte sich nach Deutschland retten. Die Journalistin ist eine der ersten dreizehn Medienschaffenden mit Fluchtgeschichte, die die Hamburg Media School im April 2016 in das neue Weiterbildungsprogramm ‚Digitale Medien für Flüchtlinge’ aufgenommen hat. Ihren zwölf Kolleg*innen erging es in ihren Heimatländern Afghanistan, Syrien, dem Iran, Ruanda und Kolumbien ähnlich wie ihr: Sie filmten, schrieben, fotografierten, berichteten über das Leben von Männern, Frauen und Kindern in Krisengebieten, engagierten sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit und gerieten dadurch selbst in Lebensgefahr.

Im Spätsommer 2015 wurden die europäischen Außengrenzen für ein paar Wochen durchlässig. Die Bilder der Menschen, die über die Balkanroute oder das Mittelmeer auch nach Deutschland kamen, waren so eindrücklich, dass sich der gesellschaftliche Diskurs eine Zeit lang grundlegend änderte. „Wir ahnten, dass unter den Hunderttausenden von Menschen viele Fachleute aus den Medien sein werden,“ erinnert sich der künstlerische Leiter der HMS, Richard Reitinger, der 2015/16 auch als kommissarischer Geschäftsführer agierte. „Und weil wir überzeugt waren, dass nun jede Einrichtung Verantwortung für ein gutes Ankommen tragen sollte, auch die HMS, haben wir DMF erfunden.“ Was die HMS am besten könne, so Reitinger, sei es nun einmal, junge Menschen im Bereich Film, Medienmanagement und Journalismus auszubilden und ihnen Türen für den weiteren Weg zu öffnen.

Binnen weniger Wochen entwickelte das DMF-Team das Konzept einer gebührenfreien, spendenfinanzierten Weiterbildung, die Geflüchtete mit medialer Vorbildung so mit Fachwissen und Kontakten ausstattet, dass sich Ihnen eine Perspektive als Medienschaffende eröffnet – in Deutschland oder als Rückkehrende in ihrem Herkunftsland. Dass da etwas Einzigartiges in Hamburg entsteht, sprach sich schnell herum. Rund hundert Interessierte schickten ihre Bewerbungen. Oft waren Zeugnisse oder Arbeitsproben wegen oder während der Flucht verloren gegangen. Statt auf Dokumente zu beharren, nahmen wir uns Zeit für persönliche Gespräche und loteten gemeinsam die aus unserer Sicht wichtigsten Aspekte für die Aufnahme aus: Medienerfahrung, Deutschkenntnisse und die Haltung der Bewerber*innen zu Fragen von Diversität, Gleichbehandlung und Menschenrechten. Der Aufenthaltsstatus war nachrangig.

In das Programm aufgenommen haben wir neben der Journalistin Roshak Ahmad, die Romanautorin Rosa Yassin Hassan, den Musiker Maher Alkadi, den Fotografen Ahmad Alrifaee und den Fernsehserienregisseur Aamer Najjar (alle aus Syrien), den kolumbianischen Autoren und Filmer Erik Arellana Bautista, den ruandischen Radiomacher Jean Ngendahimana, aus dem Iran den Graphik-Designer Jalal Hosseini, den Fotografen Arman Ahmadi und den Medientechniker Adam Frei, aus Afghanistan den Journalisten Hamid Saljooghi, den Dokumentarfilmer Mohammad Hassan Nazeri sowie die Frauenrechtsaktivistin und Journalistin Zahra Sadat (Biographien siehe unten). Sie alle erfüllten die Zugangskriterien in besonderem Maße: Sie hatten in ihren Herkunftsländern im Bereich Medien studiert oder gearbeitet, mussten aufgrund ihres Engagements für Menschenrechte und Redefreiheit Ihre Heimat verlassen und hatten sich nach ihrer Ankunft in Deutschland – teilweise in sehr kurzer Zeit – gute Deutschkenntnisse angeeignet.

Dem Klinkenputzer Richard Reitinger ist es zu verdanken, dass sich zügig ein weites Netzwerk von Verbündeten aus Medien, Verwaltung und Politik entspann: Namhafte Dozentinnen und Dozenten aus der Praxis erklärten sich bereit, ihre Expertise und Zeit zu spenden. Unter anderem entsendeten der NDR, RTL Nord, ZDF, DIE ZEIT, Spiegel, Gruner & Jahr, Warner Bros., dpa, Studio Hamburg, Cinegate und viele andere Firmen ihre CEOs und MitarbeiterInnen für Seminare und Expertengespräche. Und sie öffneten
Ihre Häuser für Besuche, für Austausch, für Praktika. Andere gaben Geld: Ohne diese finanziellen Zuwendungen von Firmen und Privatpersonen wäre das Programm nicht machbar.

Am 1. April 2016 startete das Unterrichtsprogramm. Gemeinsam als internationales Lernteam durchliefen die dreizehn Medienmenschen den intensiven, sechsmonatigen, deutschsprachigen Unterricht. Für die Vermittlung der im Anschluss geplanten dreimonatigen Praktika ging die HMS eine Kooperation mit dem EU-geförderten Projekt FLUCHT.ort Hamburg 5.0 / passage gGmbH ein. Drehbuch, Kamera, Schauspielführung, Projektentwicklung, Tontechnik, Medienrecht, Onlinemarketing, Finanzplanung, Fordermoglichkeiten und vieles mehr: Der Stundenplan umfasst nahezu alle Angebote der HMS, die Dozent*innen arbeiten pro bono. Um nur einige zu nennen: Die Anwält*innen Harro von Have und Lioba Cremer dozierten über Grundgesetz und Medienrecht, der Geschäftsführer der ZEIT Dr. Rainer Esser sprach über Online-Journalismus, die NDR-Redakteurin Sabine Holtgreve über Storytelling, die Autorin Beate Langmaack über das Drehbuch schreiben, Prof. Dr. Jens Müller vom ZDF über Medienmanagement und Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, nahm sich Zeit für ein ausführliches Kamingespräch. Die in der Regel ein- bis dreitägigen Seminare waren anwendungsorientiert und zielten darauf ab, den Teilnehmenden neben Fachwissen, Handwerkszeug und Methoden konkrete Unterstützung für die eigenen journalistischen oder filmischen Projekte zu geben. In Kooperation mit TIDE und finanziert durch die Medienstiftung Hamburg Schleswig-Holstein flankierte ein Deutschkurs das Programm. Neben der Vermittlung von Inhalten ging es aber immer wieder um das wohl wichtigste Pfund für Medienschaffende: Kontakte. Die HMS stattete alle DMFler*innen mit Visitenkarten aus und öffnete ihr Netzwerk. Die Gruppe besuchte Gruner & Jahr, den NDR, RTL Nord, die Ausstattungsfirma FTA, die Hanseatische Materialverwaltung, Studio Hamburg, die Filmförderung, Filmsets und Tonstudios, aber auch die Fachkonferenz netzwerk recherche, Medienempfänge, das Filmfest Hamburg, die Hamburgische Bürgerschaft und den Deutschen Bundestag in Berlin.

Bald erwies sich DMF als das erhoffte Sprungbrett in die deutsche Medienlandschaft: Schon während des Programms bot sich die Gelegenheit für die DMFler*innen bei Panorama, RTL Nord, dbate.de oder im Medienmagazin Zapp mitzuwirken. Zehn Kolleg*innen gingen zum Ende der Unterrichtsphase in Praktika zum NDR, zu Sandra Maischbergers Fernsehproduktion Vincent TV, zur Literaturagentur Keil & Keil, zu Spiegel Online und zu bento, zum AudioPostproduktionsstudio Chaussee Soundvision und zur GEO-Bildredaktion. Für andere öffneten sich die Türen in stipendienfinanzierte Studiengänge oder in bezahlte Arbeit als Dolmetscher, Fotograf, Videokolumnistin und Dokumentarfilmerin.

Die öffentliche Resonanz auf das Programm ‚Digitale Medien für Flüchtlinge’ ist ausnahmslos positiv. Von den Tagesthemen über das Hamburger Abendblatt, der taz, dem NDR bis hin zu RTLNord, Cicero, Deutschlandfunk und SAT1: Sie alle berichteten über die Menschen in DMF, über die Schwierigkeiten, im Herkunftsland frei zu denken und zu arbeiten, über die Hoffnung, in Deutschland als Medienprofi ankommen zu können und mitunter auch über den Wunsch, zurückzukehren, um beim Aufbau freier Medien zu helfen. Wie groß das Bedürfnis und auch der Bedarf nach Vielfalt in den bundesdeutschen Redaktionen ist, zeigte sich an der Offenheit, mit der Hamburgs Medienfirmen ihre Türen öffneten. „DMF ist kein soziales Projekt, es ist ein politisches Projekt“, stellt Initiator Richard Reitinger klar. „Es geht nicht nur um persönliche Ausbildung und persönliche Zukunft. Es geht auch darum, dass sie weiter ihre Landsleute, ihre Communities und ihre Netzwerke erreichen. Das große Ziel unseres Programms ist, gemeinsam unsere gemeinsamen Werte in eine Sprache – oder in viele Sprachen – zu übersetzen, die es uns ermöglichen, mit den Menschen aus den Konfliktgebieten und bei uns zu kommunizieren, auch zu streiten, aber mit geistigen Waffen im demokratischen Diskurs.“

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Foto: Tina Fritsche

Das bedeutet neben der Kommunikation auf Augenhöhe auch die professionelle Mitarbeit in den Redaktionen. Immerhin 20 Prozent der Deutschen haben einen Migrationshintergrund, das heißt mindestens ein Elternteil ist nicht mit einem deutschen Pass zur Welt gekommen. Der Anteil der Migrant*innen in den Redaktionen aber liegt nur bei zwei bis drei Prozent. Die Medienunternehmen werden also von ihren neuen Kollegen, von der Vielfalt der Perspektiven, in jeder Hinsicht profitieren. Wohl auch deshalb lobte der Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, Thomas Krüger, in seiner Keynote auf der Lokal-TV-Konferenz in Potsdam im September 2016 das Geflüchteten-Programm der HMS als „ein wunderbares Beispiel für eine gelebte Integration“. Das Video #Mitgefuehl sei „gelungen, weil es einen seltenen Perspektivwechsel ermöglicht“. Der DMF-Kurs hatte den Vierminüter als spontane Reaktion auf die terroristischen Anschläge in Deutschland produziert. Mittlerweile wurde es auf Youtube mehr als 17-tausendmal angeklickt. Es beweise, so Krüger, „dass dieses Programm schon nach einem halben Jahr Früchte trägt“.

Ein berufsorientiertes Vollzeit-Programm wie DMF ist bislang einzigartig in Deutschland. Zwar bietet die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf mehrtägige Refugee Classes an, Universitäten öffnen sich für studienvorbereitende Programme und die Neuen Deutschen Medienmacher beeindrucken mit ihrem Mentorenprogramm. Aber etwas mit DMF Vergleichbares gibt es bislang nicht. Leider.

Am 17. Oktober startete der zweite Durchgang von DMF mit sechs Männern und vier Frauen aus dem Jemen, dem Iran, aus Ägypten und aus Syrien. Die Journalistinnen, Fotografen, Autoren und Filmschaffenden werden von einem umfangreichen Stundenplan, der fachlich solidarischen Begleitung und dem Netzwerk ebenso profitieren wie Ihre Kolleg*innen im Vorgängerkurs. Ob die HMS das Programm danach weiterführen kann, hängt von der Finanzierung ab; es ist weiterhin auf Spenden angewiesen. Spannend, bekannt und relevant genug ist es bereits. Und jede Menge Herzblut ist auch dabei, auf allen Seiten.

Und so geht es weiter mit den Teilnehmer*innen des 1. DMF-Durchgangs:

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Roshak Ahmad arbeitete bis 2014 selbständig als Journalistin vor allem in Damaskus, u.a. als Korrespondentin für die Deutsche Welle, Reuters, Sky News Arabia und Al-Jazeera. Sie nahm an zahlreichen Fortbildungen in Damaskus, Kairo und Istanbul im Bereich TV‐Reportagen, Dokumentarfilm, Enthüllungsjournalismus teil und engagiert sich im Female Journalists Network in Syrien. Aufgrund persönlicher Bedrohungen floh sie aus Syrien und konnte mit einem Visum über Istanbul nach Deutschland einreisen.
So geht es weiter: Roshak Ahmad absolviert ihr Praktikum beim NDR in Lokstedt und studiert seit September 2016 berufsbegleitend mit einem Stipendium der ZEIT-Stiftung ’Digital Journalism’ an der HMS. Daneben arbeitet sie freiberuflich als Videokolumnistin für dbate.de und wird 2017 ihre Aufnahmen aus dem Camp Yarmuk in Kooperation mit einem deutschen Fernsehsender zu einem abendfüllenden Dokumentarfilm verarbeiten.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Arman Ahmadi konnte sein Informatikstudium ebenso wenig abschließen wie die Dreharbeiten für seinen Dokumentarfilm über den kurdischen Schriftsteller Ali Asharfe Darvishian. Aufgrund staatlicher Verfolgung und persönlicher Bedrohung entschloss sich der iranische Kurde, das Land zu verlassen. Der Graphik-Designer und Fotograf hat Erfahrung als Kameramann und Reporter.
So geht es weiter: Arman Ahmadi bewarb sich nach einer DMF-Exkursion in Lokstedt beim Norddeutschen Rundfunk und absolviert seit dem 1. August 2016 eine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.

maher

Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Maher Alkadi hat eine klassische Musikausbildung in Damaskus absolviert und hatte bis 2013 Engagements als Violinist unter anderem im Syrischen Nationalorchester und in der Band Pulse. Als Gründer der syrischen soziokulturellen Organisation NHNA bemühte er sich um die kulturelle Versorgung der Menschen trotz Kriegsbedingungen. Seit seiner Ankunft in Deutschland engagiert sich Alkadi als ehrenamtlicher Musiklehrer für Kinder in einer Lüneburger Flüchtlingsunterkunft, als Dozent in der No Border Academy, als Violinist im Syrian Expat Philharmonic Orchestra und macht eigene SoundDesign Projekte.
So geht es weiter: Maher Alkadi baut an seiner Musikkarriere, hatte Auftritte mit seiner neuen Band Caravan City und als Violinist im Syrischen Exilorchester unter anderem mit den Berliner Philharmonikern. Sein Praktikum wird er im Film Tonstudio Chaussee Soundvision in Lüneburg absolvieren und blickt einer Ausbildung zum Mediengestalter entgegen.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Ahmad Alrifaee brach sein Bauingenieursstudium in Homs nach fünf Semestern ab und widmete sich während der Syrischen Revolution seiner neuen Berufung als Videoreporter und Fotograf. Durch Empfehlungen und nachdem seine Arbeiten von arabischen Fernsehsendern veröffentlicht worden waren, wurde die Nachrichtenagentur Reuters auf seine Arbeiten aufmerksam und beauftragte ihn als Freien Mitarbeiter für die Bildberichterstattung.
So geht es weiter: Ahmad Alrifaee absolviert sein Praktikum im Fernsehbereich beim
Norddeutschen Rundfunk und studiert seit September 2016 – wie Roshak Ahmad – ’Digital Journalism’ an der
HMS. Wenn er könnte, würde er nach Syrien zurückkehren und sich mit seinem neuen Wissen für eine freie
Presse in seinem Heimatland engagieren.

erik

Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Erik Arellana Bautista arbeitet gegen das Vergessen der im bewaffneten kolumbianischen Konflikt Verschleppten und Verschwundenen, seitdem seine Mutter 1987 durch kolumbianische Paramilitärs entführt und ermordet wurde. Aufgrund seines Engagements wurde der kolumbianische Menschenrechtsaktivist, Dokumentarfilmer, Journalist und Autor immer wieder verfolgt und bedroht. Von 1997 an lebte er acht Jahre in Deutschland und studierte Audiovisuelle Kommunikation an den Kunsthochschulen in Kassel und Weimar, begann literarisch zu schreiben und Dokumentarfilme zu drehen. 2006 kehrte er nach Kolumbien zurück, um als Journalist und Universitätsdozent in Bogotá zu arbeiten. Weil Bautista Menschenrechtsverletzungen dokumentierte, geriet die Arbeit seiner Stiftung in Kolumbien unter massiven Druck. Seit Juni 2014 ist er Stipendiat im Writers-in-Exile-Programm des PEN in Deutschland
So geht es weiter: Erik Bautista macht sein Praktikum in der GEO Bildredaktion. Daneben arbeitet er weiter als Schriftsteller mit zahlreichen Vorträgen und Lesungen und baut als Medien- und Öffentlichkeitsverantwortlicher den Internationalen Verein für Menschenrechte Nydia-Erika-Bautista e.V. aus.

adam

Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Adam Frei hatte Kurzgeschichten geschrieben, die von der iranischen Zensur verboten worden waren, hatte die NGO ‚Khaneye-Khuban’ für Straßenkinder mitbegründet und war Reporter für drei iranische Zeitungen. Während seines Militärdienstes wurde er inhaftiert. 2005 gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Hier studierte er Medientechnik an der HAW in Hamburg und widmete sich seinem eigentlichen Ziel: im Filmgeschäft anzukommen. Seit 2012 ist er verantwortlicher Mediengestalter für den Verein zur Förderung von Demokratie und Freien Wahlen, Dana.
So geht es weiter: Adam Frei arbeitet seit Oktober 2016 als Dolmetscher beim Bundesamt Migration und Flucht. Außerdem strebt er weiterhin einen Job als Medientechniker an und will alternativ dazu seinen Weg als Freiberufler in der Postproduktion (TV und Film) finden.

rosa

Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Rosa Yassin Hassan schreibt seit den 1990er Jahren Kurzgeschichten und Romane und gilt als eine der wichtigsten Autorinnen und Menschenrechtsaktivistinnen Syriens. Die Frauenrechtlerin gründete die syrische Vereinigung Frauen für Demokratie und informierte während des Bürgerkrieges die interessierte Weltöffentlichkeit in ihrem vielbeachteten Blog „Tagebuch der syrischen Revolution“ über Gräueltaten, aber auch über den Alltag der Menschen im zerstörten Damaskus. Als schonungslose Chronistin menschenverachtender Verbrechen geriet sie zunehmend ins Visier des Assad Regimes, aber auch der bewaffneten Opposition. Von ihren sieben auf Arabisch erschienen Romanen liegen zwei Werke in deutscher
Sprache vor (‚Ebenholz’ und ‚Wächter der Lüfte’). Mithilfe der Heinrich‐Böll-Stiftung gelang der Autorin im Herbst 2012 zusammen mit ihrem damals zehnjährigen Sohn die Flucht nach Deutschland. 2013/2014 war sie
Gast der Hamburger Stiftung für Politisch Verfolgte.
So geht es weiter: Rosa Yassin Hassan wird im Rahmen ihres Praktikums die Literaturagentur Keil & Keil unterstützen und weiterhin als Romanautorin, als Dozentin für Arabische Literatur an der Universität Hamburg sowie als Journalistin für arabischsprachige Medien arbeiten. Ihr aktuellster Roman ‚Die vom Zauber Berührten’ wird derzeit vom Arabischen ins Deutsche übersetzt. Die HMS unterstützt sie gemeinsam mit Keil & Keil bei der Suche nach einem geeigneten Verlag.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Jalal Hosseini arbeitete sieben Jahre lang als Graphikdesigner im PR-Bereich im Iran, bevor er 2012 das Land verließ. In Deutschland fand er über Praktika im Medienbereich Zugang zu seinem Ursprungsberuf und engagierte sich in einem Online-Projekt beim Magazin brandeins. Als Schauspieler war er in Produktionen des Fundustheaters zu sehen.
So geht es weiter: Jalal Hosseini wird sein Praktikum bei Spiegel/bento absolvieren.
Er hat sich außerdem die Zugangsberechtigung und die Zusage für ein Studium der Sozialökonomie erarbeitet und wird im April 2017 anfangen zu studieren. Als Schauspieler arbeitet er mit unserer Dozentin Sophie Molitoris (Castingagentur) an seiner Set-Card bzw. an ersten TV-Auftritten. Seit Oktober arbeitet Jalal Hosseini als Fotograf und Graphik-­‐Designer für die Hamburger Modedesignerin Sibilla Pavenstedt.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Aamer Najjar arbeitete von 2002 bis zu seiner Flucht aus Syrien im Bereich Medien/Film als Regieassistent sowie als Regisseur (2. Location), unter anderem für zahlreiche TV-Serien sowie für Spielfilme im Libanon sowie in Syrien, Ägypten und Algerien.
So geht es weiter: Aamer Najjar absolviert sein Praktikum bei Vincent TV, der
Produktionsfirma von Sandra Maischberger und unterstützt dort als Rechercheur und Dolmetscher die Produktionen von sechs Dokumentationen für ARTE über arabischsprachige Länder.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Mohammad Hassan Nazeri produzierte Dokumentarfilme, unter anderem über die Situation von Frauen in Afghanistan, leitete die Konferenz zum Wiederaufbau der afghanischen Kino- und Filmlandschaft, saß in zahlreichen Festivaljurys (unter anderem beim Internationalen Filmfestival „Banff“ in Kanada), gründete das „House of Afghan Film and Theater“ (HAFT) und arbeitete als Dozent an der Universität in Kabul. 2013 musste Nazeri sein Land verlassen. 2015 strahlte das persische BBC seinen Film ‚Lala Hindu’ aus. In Deutschland hält der Kulturschaffende Vorträge u.a. über die Situation in Afghanistan, produziert Kurzfilme und engagiert sich im Chor beim Nationaltheater Mannheim sowie im Ensemble ‚Theater der Welt’.
So geht es weiter: Mohammad Hassan Nazeri wird sein dreimonatiges Praktikum beim NDR in Hamburg absolvieren. Eventuell kehrt er anschließend zurück nach Süddeutschland, um dort eine Beschäftigung im Medienbereich zu finden. Sein Herz schlägt nach wie vor für den Dokumentarfilm.

jean

Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Jean Ngendahimana arbeitete nach seinem BWL‐Studium als Radiomoderator und Reporter mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen in verschiedenen ruandischen Medienhäusern. Durch sein Engagement
für Menschenrechte in Ruanda geriet er in Gefahr und musste das Land verlassen. In Deutschland fand er Unterstützung durch Reporter ohne Grenzen.
So geht es weiter: Jean Ngendahimana studiert mit einem Stipendium an der Universität Oldenburg European Migration & Intercultural Studies (Master). Daneben beschäftigt er sich in Artikeln und Vorträgen mit dem Thema ‚Migrantischer Unternehmensgeist’.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Zahra Sadat lebt seit 2014 in Deutschland. Die Journalistin und Frauenrechtsaktivistin war Website-­Managerin der Afghan Human Rights News, Chefredakteurin bei National Front of Afghanistan Weekly News und arbeitete von 2011 bis 2015 frei u.a. für Asian Geography, Jadid Online und das Sadaf Magazin. Bis zu ihrer Flucht nach Deutschland war Zahra Sadat Vorsitzende der OSO (Open Source Organisation) und damit Managerin/Ausrichterin der Human Rights Weeks 2010 bis 2012 und des Afghanistan Women Film Festivals.
So geht es weiter: Zahra Sadat wird ihr Praktikum bei SPIEGEL ONLINE absolvieren. Da sie in den vergangenen Monaten im Selbststudium alle notwendigen Sprachtests bestanden und sich die Studienberechtigung erarbeitet hat, wird sie außerdem ab April 2017 Sozialökonomie studieren und daneben als freie Journalistin arbeiten.

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Foto: A. Ahmadi/I. Jaacks/A. Alrifaee

Hamid Saljooghi hat in Herat Journalismus (B.A.) und im indischen Bangalore Mass Communication (Master) studiert. Er leitete die Nachrichtenabteilung bei Herat National TV, war Herausgeber der Zeitung ‚Etifaq Islam’, arbeitete als Dozent und Medientrainer im Journalismus-Zentrum und als Medienkoordinator im Bürgermeisterbüro in Herat. Von 2012 bis zu seiner Flucht 2014 leitete er die juristische und politikwissenschaftliche Fakultät der Jami Private University in Kabul, war Mitglied der Hochschulleitung und lehrte Medienrecht. Auf seiner Flucht durchquerte Hamid Saljooghi mehrere Länder zu Fuß. In Deutschland engagierte er sich ehrenamtlich als Redakteur des Printmagazins ‚Asadi’ und absolvierte Praktika in Tageszeitungsredaktionen. 2015 wurde der Medienmacher – gemeinsam mit anderen – für das Theaterprojekt ‚Szol Ha’ (Frieden) mit dem Deutschen Bürgerpreis für Schleswig‐Holstein ausgezeichnet.
So geht es weiter: Hamid Saljooghi wird sein dreimonatiges Praktikum beim NDR absolvieren. Er schreibt für afghanischsprachige Medien.

DMF ist weiterhin auf Spenden angewiesen: Sonderkonto DMF Hamburg Media School gGmbH Commerzbank IBAN: DE80200800000937090003 BIC: DRESDEFF200

Die Autorin

Tina Fritsche (52) zog vor dreißig Jahren zum Studieren nach Hamburg und arbeitete unter anderem bei Filmproduktionen, als Pressesprecherin im Rathaus, als Öffentlichkeitsarbeiterin für die GEW und den Sender TIDE. Als stadtpolitische Aktivistin schob sie das selbstverwaltete Stadtteilzentrum Centro Sociale an, knüpfte mit am Netzwerk Recht auf Stadt und war 2015 einer der Initiatorinnen der Initiative Refugees Welcome Karoviertel (RW Karo). Ihre Erfahrungen bringt sie seit Anfang 2016 in ihr jetziges Herzensprojekt ein, als Koordinatorin des Programms „Digitale Medien für Flüchtlinge“ an der Hamburg Media School. An der bundesweit einzigartigen Weiterbildung, die allein aus Spenden finanziert ist, nehmen Menschen mit Medienerfahrung teil, die aus ihren Herkunftsländern fliehen mussten.

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