Das Teemobil am Grellkamp

Aller Anfang ist schwer

von Sabrina Wittkopf

Teemobil in der Erstaufnahme Grellkamp
Wunderschönes Wohnzimmer: Teemobil in der Erstaufnahme Grellkamp

Als wir bei uns in der Erstaufnahme (EA) Grellkamp Mitte April mit dem Teemobil starteten, wusste noch keiner von uns, wohin uns das führen wird. Wir – das sind die ehrenamtlichen Helfer der Initiative Freundeskreis Grellkamp – eine bunt gemischte Truppe aus 14 Leuten.

Mobile Idee

Wir hatten von einem Teemobil gehört, das in Hamburger Flüchtlingseinrichtungen Tee, Kaffee und Kakao ausschenkt. Als eine Art „Imbisswagen“ hatten wir uns das vorgestellt. Doch das „Mobil“ in Teemobil steht nicht für Räder, sondern für die Beweglichkeit der Idee. Es ist nämlich überall einsetzbar. Was in allen Standorten gleich ist: Ehrenamtliche schenken Tee, Kaffee oder Kakao aus und verteilen Obst, Gemüse, Backwaren, Chips usw. Die Initiative wurde von Sami Khokhar ins Leben gerufen und passt sich flexibel den Bedürfnissen der verschiedenen Einrichtungen an.

Wunderschönes Wohnzimmer

Am Grellkamp hat das Teemobil in der alten Mensa Platz gefunden. Früher war in den Räumen der EA Grellkamp eine Schule untergebracht. Die bestehenden Räumlichkeiten bieten uns viele Möglichkeiten. Wir haben eine funktionierende Lehrküche, Räume für ehrenamtlichen Deutschunterricht, einen Schulhof mit ein paar Spielmöglichkeiten für die Kinder sowie Basketballkörbe und Tischtennisplatten für alle. Und eben die alte Mensa. Als es hieß, dass die Küche umzieht, sahen wir unsere Chance. Mit der großzügigen Spende eines Möbelhauses konnten wir den großen Raum, in dem vorher lediglich massenweise Tische und Stühle standen, in ein wunderschönes „Wohnzimmer“ verwandeln. Ein Wohnzimmer mit Küche, in die das Teemobil einzog. Wir arbeiten hier eng mit dem Träger fördern&wohnen zusammen und werden von ihm unterstützt.

Brücken zwischen alten und neuen Nachbarn

Bei uns im Grellkamp schafft das Teemobil das, was sich so viele wünschen: es baut Brücken zwischen den alten und den neuen Nachbarn. Während die einen mit der Ausgabe beschäftigt sind, kommen die anderen ins Gespräch. Worum es geht ist meistens egal. Es zählen das Miteinander und der Kontakt zu uns alten Nachbarn, der so vielen der neuen Nachbarn wichtig ist. Deutsch reden, die „deutsche Kultur“ kennenlernen, Vorurteile abbauen, Freundschaften aufbauen. All das schafft das Teemobil. Obwohl es damals vielleicht nicht das vorrangige Ziel war, so ist es heute eine wunderbare Sache. Eine, die auch manchmal anstrengend ist. Und doch glücklich macht. In der einen Sekunde „kämpft“ man mit den Kindern, sie mögen doch endlich mit dem Kakao aus der Spielecke kommen, sonst landet dieser auf dem Teppich – wie schon so oft – und in der anderen Sekunde findet man sich inmitten dieser Kinder wieder – umarmt und geliebt. Aber so sind eben Kinder. Überall auf der Welt.

Die Kinder beim Teemobil

Dank der Möglichkeiten, die wir durch diesen wundervollen Raum bieten können, sind die Tage Montag und Mittwoch für die Kleinen ein großes Highlight. Sie dürfen dann in der Spielecke mit den vielen Bauklötzen, Puzzeln, Autos etc. spielen und in der Kinderküche geht es dann auch hoch her. Ebenso beliebt ist unser Mal-Tisch, an dem die Kinder die verschiedensten Motive ausmalen können. Die Bilder hängen wir gerne hinterher auf. Momentan sind wir noch auf der Suche nach weiterem Platz. Die Wand rund um die Küche ist bereits voll mit den Kinderbildern behangen. Die richtige Farbe der Wand lässt sich nur noch schwer erahnen. Nicht nur in der Kommunikation mit uns, sondern auch untereinander verständigen sich die Kinder inzwischen auf Deutsch. Klar, die albanischen, syrischen, afghanischen Kinder würden sich untereinander auch nicht anders verstehen. Doch auch in den Gruppen, in denen sie Albanisch, Arabisch oder Dari sprechen könnten, hört man immer mehr Deutsch. Die Sprache weiter vertiefen können sie auch, wenn sie in der Ausgabe Süßigkeiten oder Obst bestellen. Stimmen die Worte noch nicht so ganz oder zeigen sie nur drauf, wird das Wort gesagt und sie wiederholen es. Die Sprache lässt sich im „Alltag“ eben am besten anwenden.

Da wir viele Kinder während der Teemobil-Ausgabe haben, die dementsprechend auch wild durch den Raum toben, haben wir immer eine Person in der Spielecke sitzen, die ein bisschen drauf aufpasst, dass die Kinder sich mit dem Essen und Trinken an einen Tisch setzen und danach dürfen sie wieder spielen. Gerne wird diese Person auch belagert. Dann sitzen kleine Gruppen auf dem Sofa, schauen in ein Buch und zeigen auf Bilder von Gegenständen, von welchen sie das deutsche Wort kennen. Möchten sie ein Wort wissen, so zeigen sie drauf und fragen was das ist.

Große Erfolgsgeschichte mit vielen kleinen Kapiteln

Nimmt man diese ganzen kleinen Dinge, die zur Integration beitragen zusammen, so würde ich das Teemobil als eine große Erfolgsgeschichte mit vielen kleinen einzelnen Kapiteln beschreiben. Das Teemobil ist in jeder Unterkunft anders, die Räume, die Ausstattung, die gesamten Voraussetzungen. Wir sind mit unseren Bedingungen zufrieden und sind froh, eine so wichtige Arbeit leisten zu können, die auch noch so viel Spaß bringt. Und wir können jedem, der helfen möchte, nur ans Herz legen, sich mal beim Teemobil einzubringen. Es werden immer helfende Hände in den Standorten gebraucht und es ist ein einfacher Einstieg in die Flüchtlingsarbeit.

Den größten Erfolg, den die Bewohner der EA hatten, konnten wir im Dezember 2015 feiern. Beim Fanclubturnier des FC St. Pauli durften wir mit einer Mannschaft, bestehend aus den Bewohnern, antreten und die Jungs belegten den dritten Platz. Dafür wurden sie mit einem riesigen Pokal belohnt, der in einer Vitrine in unserem Kult-Komm ausgestellt wird.

Die Autorin

Sabrina Wittkopf (23) studiert Slavistik an der Uni Hamburg. Neben Studium und Nebenjob engagiert sie sich in der Initiative „Freundeskreis Grellkamp“, um den Bewohnern der EA Grellkamp in Langenhorn beim Einstieg in ein neues Leben in Hamburg zu helfen.

3 Gedanken zu „Das Teemobil am Grellkamp“

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