Flüchtlinge und Unternehmen zusammenbringen

Das Impact Dock Cross Mentoring mit Flüchtlingen: Wir von Ministry sind dabei – und glücklich darüber

Von Andreas Ollmann

Soliman und Andreas
Soliman und Andreas: Freude auf das gemeinsame Jahr

Ich gehöre wohl zu den unverbesserlichen Optimisten dieses Landes. Denn ich sehe die sogenannte Flüchtlingskrise nicht als Krise im eigentlichen Sinne an. Ich bin der Meinung, dass es sich in Wahrheit um eine große Chance für uns und unser Land handelt. Auch für die zahlreichen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, um vor Gewalt und Tod zu fliehen, bietet sich jetzt die Gelegenheit für einen Neuanfang.

Aus der Krise eine Chance machen

Wir müssen die Chance nur gemeinsam richtig nutzen. Allerdings muss ich an dieser Stelle zugeben, dass dieses „richtig nutzen“ nicht für jeden auf Anhieb einfach ist. So ging es auch mir und meinen Kollegen bei Ministry. Wir wollten helfen, aber wussten nicht wie. Also versuchten wir zu recherchieren, wo wir wirklich etwas Sinnvolles erreichen konnten. Dabei stießen wir auf einen Artikel in der brandeins über das Startup ImpactDOCK, welches Flüchtlinge und Unternehmen im Rahmen eines Cross Mentoring Projekts zusammenbringt. Kurzentschlossen entschieden sich auch meine Kolleginnen Antje und Susanne, mich zum Kick-off-Event in Hamburg zu begleiten – dies war der Beginn einer sehr spannenden und bereichernden Erfahrung für uns. Ich möchte an dieser Stelle gerne einige der Erlebnisse und Gedanken, die ich bis hierher, nach etwa drei von zwölf Monaten Cross Mentoring, gesammelt habe, mit Ihnen als Leser teilen. Vielleicht ermutigt ein konkreter Praxisbericht noch mehr Menschen, aktiv zu werden und tatkräftig dabei mitzuhelfen, aus der vermeintlichen Krise eine echte Chance zu machen.

Das Cross-Mentoring: so funktioniert’s

Das zwölfmonatige Cross Mentoring Programm ist ein 1:1-Mentoring, in welchem deutsche Firmen zusammen mit ihren ausländischen Mentees an business-relevanten Projekten arbeiten, die den Zuwanderern fachlich, kulturell und persönlich bei ihrer Entwicklung helfen. Die Firmen profitieren in gleicher Weise vom Know-how und dem Ideenreichtum ihrer Mentees – und auch von den kulturellen Einflüssen, welche auf diese Weise in die eigene Unternehmenskultur einfließen. Wie nennt man das so schön? Eine WIN-WIN-Situation!

So habe ich das Cross Mentoring bisher erlebt

Anfang April gab es den Cross Mentoring Kick-Off Workshop, bei dem sich die durch ImpactDOCK ausgesuchten Mentees und wir Mentoren zum ersten Mal trafen. Ein sehr intensiver, bewegender Tag. Ich war begeistert, was für tolle, intelligente, begabte, nette … Menschen ich treffen durfte! Alt eingesessene Hamburger Unternehmer, Führungskräfte und Wissenschaftler und Zuwanderer aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Madaskar und Malaysia. Und mitten drin ich – und mein Mentee Soliman, ein sympathischer Mittzwanziger aus Homs, der seit 18 Monaten hier und seit vier Monaten im Deutschkurs ist. Was mich beeindruckt hat: Wir haben an dem Tag unter anderem über unsere Ziele und unsere Werte diskutiert. Auf Deutsch.

Mittlerweile haben Soliman und ich uns ein paarmal getroffen. Aber nicht nur wir beide: zwei Kollegen von mir waren spontan bereit, ihm von ihrer Ausbildung und ihrer Tätigkeit bei Ministry zu berichten. Denn Soliman hat sich als persönliches Ziel gesetzt, eine Ausbildung im technischen Bereich zu machen. Im Augenblick macht er ein Eingewöhnungs-Praktikum bei uns. Was ich dabei besonders toll finde: er wurde sofort von einem unserer Teams aufgenommen. Die beiden Azubis (Kauffrau und Fachinformatiker) in dem Team kümmern sich täglich um ihn, erklären alles und helfen beim Lernen. Und das ist der eigentlich wichtigste Teil, denn so hat er direkten, regelmäßigen Austausch und damit Grund und Anlass für rapide Fortschritte im Spracherwerb.

Und unser gemeinsames Business-Projekt, das Teil der Grundidee des Mentorings ist? Das hat keine Eile. Wir beide nähern uns langsam auf der persönlichen Ebene an und diskutieren Stück für Stück, wie wir die Idee (die mittlerweile unsere gemeinsame ist) realisieren können. Ich bin mir sicher: Das wird kein “normales” Projekt, bei dem man möglichst schnell und effizient zu einem Ergebnis kommen sollte.  Auf dem Weg dahin werden wir viele Hindernisse aus dem Weg räumen müssen. Aber wir fangen damit an. Und werden unterwegs viel, viel lernen. Beide. Ich freue mich auf das gemeinsame Jahr mit Soliman, das vor mir liegt!

Der Autor

Andreas Ollmann (46) ist einer der Inhaber und Geschäftsführer der Ministry Group, einer Gruppe von Spezialisten für digitale Kommunikation entlang der Kundenkontaktkette. Außerdem ist der Hamburger Mitbegründer des Sozialunternehmens Hacker School, das Kinder und Jugendliche für Informatik und IT begeistert.

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