Als Gastgeber beim Welcome Dinner

Ein Erfahrungsbericht

Von Frauke Petschulat

WelcomeDinner
Dalia, Ayman und Familie zu Gast beim WelcomeDinner

Ende April war es soweit: Ich hatte uns beim „Welcome Dinner“ angemeldet, einer Initiative, bei der HamburgerInnen Geflüchtete zu sich nach Hause zum Abendessen einladen. Uns wurde eine syrische Familie mit drei Kindern angekündigt.

Mein Mann Tim, unsere beiden kleinen Töchter und ich waren gerade in der Elternzeit ein halbes Jahr außerhalb Hamburgs unterwegs gewesen. Währenddessen hatte sich in Hamburg so einiges verändert. Ein Teil der Welt war inzwischen zu uns gekommen. Das „Welcome Dinner“ schien uns ein guter Schritt zu sein, das sich in unserer Abwesenheit veränderte Hamburg neu kennenzulernen.

Das Dinner

Durch die kurze schriftliche Instruktion des „Welcome Dinner Teams“ waren wir darauf eingestellt, dass unsere Gäste später als zum vereinbarten Termin bei uns eintreffen würden. Wir ließen uns also Zeit beim Kochen. Überraschenderweise klingelte dann aber kurz vor sechs das Telefon: „We are waiting at the bus stop – can you pick us up?“ Tim lief los. Während ich noch gedanklich bei der Lasagne war, stand er wenig später mit Dalia, Ayman und ihren drei Kindern vor unserer Tür. Wir schauten uns an, lachten und es war klar, dass dieser Abend nicht in einer Katastrophe enden würde. Während die Kinder schon mit hörbar guter Laune im Kinderzimmer die Belastbarkeit der Rutsche testeten, tauschten wir Erwachsenen oberflächliche Freundlichkeiten aus. Das wäre mit einem Glas Wein wahrscheinlich lockerer gewesen. Es ging aber auch so. Libanesische Mezzeh, Lasagne und die Unkompliziertheit der fünf Kinder lockerten die Stimmung schnell auf. Auch ohne die vom WelcomeDinner empfohlenen Fotoalben, kamen wir gut ins Gespräch. Der Abend wurde allerdings bedingt durch die Schlafenszeit unserer Kleinen nicht lang und so verabredeten wir uns spontan für den darauffolgenden Tag zum Besuch eines Kinderfests in Planten un Blomen.

Planten un Blomen

Auf der Picknickdecke neben dem Spielplatz schien es, als würden wir uns schon eine Weile kennen. Ayman hatte viele, teilweise sehr spezifische, Fragen und gleichzeitig wurde deutlich, wie gut er sich schon in Hamburg auskannte. Für Dalia, die mit ihren drei Kindern erst vor Kurzem ein Jahr später als ihr Mann in Deutschland eingetroffen war, war vieles noch völlig neu. Wir erfuhren mehr über einander. Beide hatten studiert und gehörten in ihrer Kleinstadt zur oberen Mittelschicht; hatten Eigentumswohnungen und Land zurückgelassen und waren unter abenteuerlichsten Umständen über die Balkanroute nach Hamburg gelangt.

Im Stadtpark

Unser drittes Treffen fand dann ohne die Männer statt und war Dalias erster Ausflug in Hamburg ohne ihren Mann. Mit leuchtenden Augen traf sie im Stadtpark ein, überglücklich den Weg mit dem Bus allein hinter sich gebracht zu haben. Unser Gespräch holpert manchmal – sprachliche Barrieren werden aber über Gestik, Mimik und einer Übersetzungs-App überwunden. Die Erfahrungen von Dalias Familie während des Krieges und der Flucht lassen sich ohnehin allein mit Sprache nicht vermitteln. Sie drücken sich eher in Dalias Freude darüber aus, dass die Kinder nun wieder an öffentlichen Orten frei spielen können und das mit sichtlicher Begeisterung auch tun. Vier Jahre Bürgerkrieg – in ihrem Fall in einem Gebiet, das von der islamistischen Al-Nusra Front kontrolliert wurde, hieß ja auch, dass die Kinder vier Jahre lang nicht draußen spielen konnten und sich fast nur in der Wohnung aufgehalten haben.

Das WelcomeDinner hat mir einen Blick über den Tellerrand meines zur Zeit sehr beschaulichen Lebens an der Alster ermöglicht. Dalia ist eine besondere Leichtigkeit bei unseren Treffen anzumerken, sie scheint den Ausbruch aus ihrer momentanen Alltags-Normalität in der Wohnunterkunft zu genießen. Tipps für Familienausflüge, Einkäufe oder Umgang mit Behörden werden auch dankbar angenommen, aber stehen nicht im Vordergrund. Dalia selbst bewegt sich innerhalb unserer Wohnung ohne Kopftuch und lässt sich auf sehr interessante Gespräche über das Bild der Frau ein. Ich staune wirklich über die Offenheit der Gespräche und die Selbstreflektion. Wir kennen uns erst seit zwei Monaten und dennoch herrscht bereits eine Vertrautheit, die es ermöglicht auch sensible Fragen zur jeweiligen Kultur zu stellen und deren Antworten auch wirklich hören zu wollen.

Mittlerweile hatten wir auch eine „Dinner-Einladung“ von Dalias Familie. Das war einfach nur unglaublich lecker. Unsere Jüngste (14 Monate) hat bei der Gelegenheit ziemlich lautstark ein gerade neugelerntes Wort geübt: Mehr!

Die Autorin

Frauke Petschulat arbeitet als Erziehungswissenschaftlerin im Leitungsteam eines Kita-Trägers. Ehrenamtlich ist sie über das Projekt We.Inform als Informationguide in Flüchtlingsunterkünften tätig.

2 Gedanken zu „Als Gastgeber beim Welcome Dinner“

  1. رائع,كانت لقاءات ممتعة وسعدنا بالتعرف على عائلة تتكون من والدين مفعمين بالحيوية والنشاط والمحبة واطفال يتمتعون ببراءة وطفولة بريئة وساعدتناهذه العائلة بالتعرف بصورة عامة عن الشعب الالماني شكرا المانيا Dalia

    1. Großartig! Die Treffen haben Spaß gemacht. Wir haben uns sehr gefreut, eine Familie voller Kraft und Vitalität und Liebe kennenzulernen. Die Kinder konnten zusammen die Unschuld der Kindheit genießen. Es hat uns sehr geholfen, diese Familie so schnell kennenzulernen und so einen guten Eindruck von Deutschen zu gewinnen. Danke Deutschland!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.